DEUTSCH-ITALIENISCHE-DANTE-ALIGHIERI-GESELLSCHAFT REGENSBURG E.V.
SOCIETÀ ITALO TEDESCA DANTE ALIGHIERI COMITATO DI RATISBONA

GRUSSWORT DES KULTURREFERENTEN DER STADT REGENSBURG
DR. EGON JOHANNES GREIPL
ZUM 25-JÄHRIGEN BESTEHEN DER DIG REGENSBURG

Anm.: Dr. Johannes Greipl war bis Anfang 1999 Kulturreferent der Stadt Regensburg

 

 

Dr. Egon Greipl, Kulturreferent der Stadt Regensburg "5000 italienische Besucher kamen 1994 nach Regensburg, mehr als doppelt soviel als im Jahr 1985 (damals fing man zu zählen an), aber deutlich weniger als im Spitzenjahr 1991 mit seinen 9600 Besuchern.
Viele der italienischen Gäste werden etwas Entscheidendes nicht gewußt haben: Die Mutter der Stadt Regensburg liegt in Italien und heißt Rom.
Die römische Politik, römische Soldaten und römische Beamte waren es, die am nördlichsten Punkt der Donau, an einer wichtigen Pforte zum böhmischen Raum eine Militärstadt errichteten: Castra Regina.
Beinahe ein halbes Jahrtausend war Regensburg politisch und kulturell nach Rom orientiert. Kulturelle Errungenschaften wie der Weinbau und die christliche Religion kamen von dort. Und nach dem Ende dieser Epoche waren es die Mauer, errichtet von den römischen Legionären die den Aufstieg Regensburgs zur ersten Hauptstadt, ja überhaupt zur ersten Stadt Bayerns ermöglichten
So liegen die Wurzeln der politischen Bedeutung des mittelalterlichen Regensburgs jenseits der Alpen. Blickt man auf die mittelalterliche Wirtschaftsgeschichte, so ist es nicht anders.
Im Italienhandel erwarben die Regensburger riesige Vermögen. Venedig ist der Haupthandelsplatz gewesen; unter den dort tätigen deutschen Kaufleuten führten die Regensburger traditionell den Vorsitz. Sklaven, Pelze, unverarbeitetes Gold, Wachs und Bernstein führten sie hinunter, Safran und andere Gewürze, Korallen und Seidenstoffe und Schmuck brachten sie zurück.
Der Reichtum der Kaufleute ist die Voraussetzung dafür gewesen, daß in Regensburg im 12./13. Jahrhundert eine Stadtarchitektur entstand, wie sie in Deutschland einzigartig ist.
Und nebenbei: Die spätere Armut ist es gewesen, die Neubauten verhindert und uns diesen mittelalterlichen Baubestand in großem Umfang bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Die Profanbauten orientieren sich an italienischen Vorbildern, und einen der interessantesten Sakralbauten der Stadt die Allerheiligenkapelle am Domkreuzgang, haben womöglich oberitalienische Bauleute geschaffen.
In seinem Buch über das Bürgerhaus in Regensburg (Tübingen 1976) widmet Richard Strobel ein ganzes Kapitel den mittelalterlichen Haus- und Patriziertürmen der Stadt und meint: "Im Wechsel von Platz und Straße mit Turm und Palast kann hier tatsächlich nur an Eindrücke von originaler mittelalterlicher Architektur erinnert werden, wie sie der Italienreisende auf der Piazza Vecchia oder in der Via di S. Matteo in San Gimigniano aufnimmt... dabei im Turm- und Hausformat nicht kleinmaßstäblich wie San Gimigniano, sondern großstädtisch wie im Florenz von Oltr'Arno oder im Centro Storico von Bologna."
"Nördlichste Stadt Italiens": Mit diesem Beinamen wird gelegentlich München bedacht. Wer ihn erfunden hat, weiß ich nicht, und wer ihn gebraucht, denkt an die "Welschen Hauben" der Frauenkirche, an den römischen Barock der Theatinerkirche, an die Feldherrenhalle, an die Fassaden der Ludwigstraße, beides Florentiner Vorbildern nachempfunden, oder an die Allheiligenhofkirche und ihr "Original" die Capella Reale in Palermo.
Regensburg liegt einhundert Kilometer nördlich von München. Wenn es denn schon eine "nördlichste Stadt Italiens" geben muß, dann liegt sie, jedenfalls, was das Mittelalter betrifft, nicht an der Isar, sondern an der Donau."

Dr. Egon Johannes Greipl
Kulturreferent der Stadt Regensburg

 

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