DEUTSCH-ITALIENISCHE-DANTE-ALIGHIERI-GESELLSCHAFT REGENSBURG E.V.
SOCIETÀ ITALO TEDESCA DANTE ALIGHIERI COMITATO DI RATISBONA

DIE CHRONIK DER DIG REGENSBURG VON 1971-1996

 

 

Die Wurzeln der Deutsch-Italienischen Dante-Alighieri-Gesellschaft Regensburg e.V. sind in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu finden. Bereits damals existierte eine Deutsch-Italienische Gesellschaft in Bayern e.V. als Dachorganisation auf Landesebene. Ihr gehörten mehrere Gesellschaften bayerischer Städte an, u.a. von Bayreuth, Freising und Weiden. Der Gesellschaft in Weiden schloß sich 1955 eine kleine Gruppe von Freunden Italiens aus Regensburg an. Unter der Leitung von Erika Hohenthanner gründete man eine Deutsch-Italienische Gesellschaft für persönliche Freundschaft und kulturellen Austausch. Diese Gesellschaft wurde nicht im Vereinsregister geführt, denn sie hatte noch keine Satzung. Die Mitglieder erhielten bereits einen Ausweis, der Italienreisenden kostenlose Besuche in Museen ermöglichte. Bei Gründung dieser Gesellschaft lebten die Deutschen noch in Besatzungszonen; von Reisen in den Süden, der alten Sehnsucht der Deutschen, ganz zu schweigen. Dies wurde erst nach Einführung der D-Mark im folgenden Jahr ermöglicht. Aber man durfte davon träumen und tat es wohl auch. Man traf sich zu Geselligkeiten, hörte Vorträge über Italien und hielt Kontakt zur Weidener Gesellschaft, die in der Folgezeit eine Patenschaft mit der italienischen Stadt Macerata einging, von der die Italienfreunde Regensburgs bei gegenseitigen Besuchen mitprofitierten.
Als Nachfolger von Erika Hohenthanner stand der Gesellschaft ab 1955 für mehrere Jahre Max Prasch vor, der als Beauftragter des Pustet-Verlages und Dolmetscher in Rom deutsch-italienische Beziehungen pflegte. Man traf sich monatlich zu Veranstaltungen, wie Dia-Abenden, Vorträgen über Geschichte, Kunst, Landschaft und Probleme des italienischen Volkes, man hörte Musik und pflegte die italienische Sprache. Diese Abende wurden meist von den Mitgliedern selbst gestaltet. Darüber hinaus wurden Kontakte zu italienischen Gastfamilien hergestellt und notwendige Hilfe geleistet.
Letzte Leiterin dieser Gesellschaft war Gertraud Lehner, die aus beruflichen Gründen 1963 den Vorsitz niederlegte. Wenn diese Gesellschaft damit auch faktisch aufgelöst war, so lebt sie doch in den Herzen der ehemaligen Mitglieder fort. An eine Wiederbelebung wurde in der Folgezeit oft gedacht. Ausgelöst wurde dies durch einen Scheck in Höhe von DM 100.-, den Hanni Seibert am 19.08.1970 als Spende für die "Deutsch-Italienische Gesellschaft" bei der Sparkasse einreichte.

Dr. Sigmund Silbereisen, seinerzeit 2. Bürgermeister der Stadt Regensburg nahm sich des Geldes an, legte für die noch zu gründende Gesellschaft ein Sparbuch an, forschte nach früheren Mitgliedern, prüfte das Vereinsregister entwarf eine Satzung und berief zum 15. Mai 1971 eine förmliche Gründungsversammlung ein. 41 Mitglieder, von denen heute noch 18 der Deutsch-Italienischen Dante-Alighieri-Gesellschaft Regensburg angehören, billigten durch ihre Unterschrift die Satzung, die Gesellschaft wurde zum Vereinsregister angemeldet. Gleichzeitig trat man dem Dachverband der Deutsch-Italienischen Gesellschaften in Rom bei.
Dr. Silbereisen wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt und übte dieses Amt bis 1979 aus.
Zu den Gründungsmitgliedern zählte auch Helga Brielmaier die bereits als junges Mädchen der früheren Gesellschaft unter Max Prasch angehörte und seit 1986 1. Vorsitzende der Gesellschaft ist.
Als Nachfolger von Dr. Silbereisen leitete Dieter Baldauf damals Rechtsdezernent der Stadt Regensburg von 1979 bis 1982 die Geschicke der Gesellschaft.

Im Jahr 1980 richtete ein schreckliches Erdbeben im Süden Italiens bei Avellino verheerende Verwüstungen an. Helga Brielmaier gab den Anstoß zu einer bemerkenswerten Initiative. Mit Hilfe vieler spendenfreudiger Mitglieder und Regensburger Bürger konnte sie bei großem Einsatz an Arbeit und Zeit die Summe von DM 80.000.- zusammentragen. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz wurde mit diesen Spendengeldern ein Schulgebäude in Torella dei Lombardi errichtet, das den vertraglich festgelegten Namen "Scuola Ratisbona" erhielt. Nach neuesten Informationen des Bürgermeisters von Torella dei Lombardi dient das Gebäude heute als Bücherei und Archiv. Mit einem verbleibenden Restbetrag von DM 7.000.- wurde einem Jugendlichen, dessen Eltern durch einen Erdrutsch in Norditalien zu Tode kamen, aus seiner ersten Not geholfen.

1982 übernahm Rainer Wallerius den Vorsitz der Gesellschaft. In seiner Funktion als Leiter der Volkshochschule Regensburg bahnte er den Schüleraustausch mit der Stadt Mailand an. Für die Deutsch-Italienische Dante-Alighieri-Gesellschaft ergab sich dabei die Möglichkeit der Mitwirkung. Bei gegenseitigen Besuchen unterschiedlicher Gruppen aus beiden Städten wurden interessante Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen.

Im Jahr 1986 wählten die Mitglieder der Gesellschaft Helga Brielmaier zur 1. Vorsitzenden; dem Vorstand gehören außerdem zwei Stellvertreter, ein Schriftführer, ein Schatzmeister, ein Jugendwart, fünf Beisitzer und zwei Kassenprüfer an.

Im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen monatliche Begegnungsabende, denen jeweils ein italienbezogenes Thema zugrunde liegt. Das Spektrum reicht von kunsthistorischen und politischen bis zu musikalischen, von sprachwissenschaftlichen und literarischen bis hin zu aktuellen Themen und berührt dabei viele Facetten des italienischen Lebens. Die Veranstaltungen fanden zunächst in unterschiedlichen Regensburger Lokalen statt. Seit 1990 verleiht die Weinschenk-Villa, ein prachtvoller Jugendstilbau, den monatlichen Begegnungen einen würdigen Rahmen, der Gäste wie Referenten gleichermaßen begeistert. Bei musikalischen Abenden stellte Vorstandsmitglied Wolfgang von Seiche-Nordenheim bedeutende italienische Komponisten wie Verdi, Rossini und Donizetti vor; meist schlossen sich diesen Vorträgen gemeinsame Theaterbesuche an.
Literatur wurde gelesen und besprochen. So präsentierte der bekannte Regensburger Romanist und Gründungsmitglied der Gesellschaft, Dr. Johannes Hösle, seine "Kleine italienische Literaturgeschichte" (1995) und referierte amüsant und sachkundig über Carlo Goldini (in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Regensburg).
Der Soziologe Dr. Michael Braun, Duisburg, wagte anhand seines im April 1995 erschienenen Buches vor großem Publikum einen Blick in "Italiens politische Zukunft".
Der Regensburger Kulturreferent Dr. Egon Johannes Greipl sprach über "Ludwig I. und Italien", und Prof. Eckhart Bruchner, München befaßte sich anläßlich eines Filmseminars mit italienischer Filmgeschichte am Beispiel "Pasolini-enfant terrible-von Accatone bis Petrolio". Der Bildungsreferent des Bundes Naturschutz in Bayern, Herbert Grabe, gab einen eindrucksvollen Einblick in Naturschutzgebiete und Nationalparks in Italien.

Die Autorin und Fernsehjournalistin Pia de Simony stellte erstmalig in unserer Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Hugendubel Verlag, München, und Bücher-Pustet, Regensburg, ihr Reise- und Kochbuch "Köstliches Italien" vor. Als Moderatorin der gleichnamigen 10-teiligen Fernsehsendung im ARD verriet sie Rezepte berühmter italienischer Köche und viel Wissenswertes zu bekannten und weniger bekannten Sehenswürdigkeiten in Italien.
Dr. Christoph Hennig, Tournus, Kunstreiseführer und Autor, weckte mit seinem Vortrag über "Wanderungen in Italien" die Wanderlust in unserer Gesellschaft. Eine Gruppe motivierter Mitglieder erlebte unter seiner kundigen Führung im Frühjahr 1995 eine eindrucksvolle, unvergeßliche Wanderung im milden Klima Liguriens von Genua bis Portovenere, der sich 1996 eine weitere Wanderung von Florenz bis Siena anschloß.

Der in Terracina bei Rom lebende bekannte Journalist Prof. Dr. Werner Raith stellte im März 1996 anläßlich seines Vortrages über das organisierte Verbrechen seine Streitschrift über "Die Republik der Scheinheiligen" vor. Das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Thema wurde nicht nur durch die zahlreich erschienenen Gäste, sondern auch durch eine Fernsehaufzeichnung und umfangreiche Presseberichte dokumentiert.
Lichtbildervorträge des Dozenten Richard Konstantin Blasy, München, zu den unterschiedlichsten kunsthistorischen Themen und Vorträge über Sprachinseln und Dialekte in Italien rundeten den Themenkatalog ab.

Unsere jährlichen italienischen Sommerfeste in einem historischen Innenhof der Regensburger Altstadt vor großartigen, selbstgefertigten Kulissen, mit Musik und Folklore, Masken, Zauberer, Feuerschlucker und von unseren Mitgliedern bereiteten Antipastibuffet wurden von den Freunden der Gesellschaft und der Regensburger Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen.
Bei regelmäßigen Koch- und Sprachkursen wurden unter dem Motto "Parlare e cucinare in italiano" Kochkunst und Grammatik in heiterer Atmosphäre miteinander verbunden.

Gemeinsame Theaterbesuche, zwanglose Treffen, Sprachkurse in der Toskana und Tagesfahrten, z.B. zur Tiepolo-Ausstellung in Würzburg, fanden stets großes Interesse.
Italienische Liederabende in der Weinschenk-Villa mit Künstlern des Regensburger Stadttheaters - in Zusammenarbeit mit den Freunden der Städtischen Bühnen Regensburg- zählen zu den Höhepunkten unseres Gesellschaftslebens.

Bei Tagungen der Vereinigung Deutsch-Italienischer Gesellschaften e.V. und italienischen Kulturveranstaltungen wurden Kontakte zu anderen Deutsch-Italienischen Gesellschaften zum Zwecke gegenseitigen Gedankenaustausches aufgenommen. Der jahrzehntelangen freundschaftlichen Beziehung zur Associazione Italo-Tedesca in Rom unter der Leitung von Dr. Gino Ragno kommt dabei eine ganz besondere Bedeutung zu. Dr. Ragno, dem die Wiedervereinigung Deutschlands ganz besonders am Herzen lag, organisierte über viele Jahre hinweg mit einer Vielzahl römischer Freunde Reisen nach Deutschland. Seine Reiseroute über Bonn, Köln und Berlin - nach der Wiedervereinigung auch durch die neuen Bundesländer - endete stets nach alter Tradition zu Ferragosto (15. August) in Regensburg.
Für die Gäste aus dem In- und Ausland wurden Programme ausgearbeitet, gemeinsame Begegnungen organisiert und Stadtführungen angeboten. Ein Ende August 1996 stattgefundener Kongress der Associazione Internazionale dei Professori d'Italiano wurde von der Deutsch Italienischen Dante-Alighieri-Gesellschaft Regensburg e.V. mitgetragen.
Bei der Jahrestagung der Dachorganisation Deutsch-Italienischer Gesellschaften (VDIG) im Frühjahr 1997 trat die Deutsch Italienische Dante-Alighieri-Gesellschaft Regensburg e.V. als gastgebende Gesellschaft auf.

So ist die Deutsch Italienische Dante-Alighieri-Gesellschaft Regensburg e.V. mit ihren derzeit ca. 210 Mitgliedern zu einer kulturellen Einrichtung unserer Stadt geworden, in der persönliche Freundschaft und das Zusammenleben zweier Völker im Sinne des europäischen Gedankens praktiziert und gefördert werden.

Unser Dank gilt den Mitgliedern und Freunden der Deutsch Italienischen Dante-Alighieri-Gesellschaft Regensburg e.V. für ihre Treue und ihr Interesse an unseren Veranstaltungen in den vergangenen 25 Jahren sowie allen Sponsoren für die großzügige Förderung unserer Aktivitäten.
Wir danken dem italienischen Kulturinstitut München, dem Kulturreferat der Stadt Regensburg, dem Bezirk Niederbayern/Oberpfalz, der Sparkasse Regensburg, Bücher-Pustet und dem Verlagshaus Hugendubel, München, für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung unserer Arbeit.

 

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